Lesson Transcript

Lena: Morgen, Markus! Na, das ist ja mal eine Überraschung. Du bist heute aber früh dran!
Markus: Morgen, Lena. Ja, ich weiß. Ich bin heute wirklich früh auf den Beinen. Aber schau mal raus!
Lena: Ich weiß! Es ist endlich warm. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau... Das ist der erste richtige Frühlingstag in Berlin, oder?
Markus: Absolut. Als ich heute Morgen aus dem Haus gegangen bin, war die Luft schon so mild. Herrlich.
Lena: Schau dir mal die Terrasse an. Vor einer Woche war da noch niemand. Und jetzt? Alles voll! Die Leute sitzen draußen, haben Sonnenbrillen auf... Berlin wacht endlich auf.
Markus: Ja, stimmt. In Potsdam ist es genauso. Die Leute spazieren schon durch den Park Sanssouci. Alles blüht dort jetzt. Die Gärten sind wunderschön im Moment.
Lena: Oh, das glaube ich dir. Hier in Mitte ist es natürlich nicht ganz so grün wie in Sanssouci, aber der Tiergarten ist auch toll jetzt. Und der Viktoriapark! Ich war gestern kurz da. Die Leute liegen schon auf der Wiese.
Markus: Die Berliner warten halt den ganzen Winter nur auf diesen einen Moment. Sobald die Sonne da ist, sind alle draußen.
Lena: Genau so ist es. Aber sag mal, was machst du denn so früh hier in Mitte? Hast du nicht normalerweise erst später zu tun?
Markus: Eigentlich schon. Aber ich habe gleich ein wichtiges Meeting. Ein Konzept-Meeting für das Restaurant.
Lena: Ah, okay. Hier in der Nähe?
Markus: Ja, gleich um die Ecke. In diesem neuen Co-Working Space in der Torstraße. Wir wollen unsere Sommerkarte planen. Aber ich wollte unbedingt pünktlich sein, also bin ich extra früh losgefahren.
Lena: Sehr vernünftig. Der Verkehr ist ja morgens oft eine Katastrophe.
Markus: Oh ja. Der Berliner Ring? Nein danke. Da stehst du nur im Stau. Das wollte ich mir heute nicht antun. Und die S-Bahn... na ja, du kennst das ja.
Lena: "Verzögerungen im Betriebsablauf"?
Markus: Genau das. Oder eine Signalstörung. Außerdem sind die S-Bahnen morgens so voll. Überall Fahrräder, Touristen, Pendler... Da kriegst du keinen Platz.
Lena: Und wie bist du dann gekommen?
Markus: Ich habe den RE1 genommen. Den Regional-Express. Das ist viel entspannter. Ich habe mir einen Kaffee geholt, mich hingesetzt und hatte einfach dreißig Minuten Ruhe.
Lena: Das klingt gut. Ein bisschen Zeit für dich vor dem Chaos, was?
Markus: Genau. Einfach aus dem Fenster schauen, die Landschaft sehen... Das brauche ich manchmal. Und jetzt habe ich noch eine halbe Stunde Zeit vor dem Meeting. Also dachte ich mir: Ich gehe zu Lena und trinke einen *richtigen* Kaffee.
Lena: Eine sehr gute Entscheidung! Du weißt ja, bei uns gibt's den besten Kaffee im Kiez.
Markus: Das weiß ich doch. Deshalb bin ich ja hier.
Lena: Also, was darf's denn sein? Ich habe heute etwas ganz Besonderes da. Eine helle Röstung aus Äthiopien. Single Origin. Sehr fruchtig, fast wie Tee. Möchtest du den mal probieren? Als Filterkaffee?
Markus: Ähm... fruchtig? Wie Tee?
Lena: Ja, das ist total spannend. Man schmeckt fast ein bisschen Blaubeere raus. Das ist perfekt für so einen sonnigen Morgen.
Markus: Das klingt... interessant, Lena. Wirklich. Aber ich glaube, heute brauche ich was anderes. Ich brauche Energie. Einen richtigen "Wachmacher".
Lena: Verstehe. Harte Nacht gehabt?
Markus: Ziemlich viel Arbeit im Moment. Also, bitte nichts Leichtes. Ich brauche Power.
Lena: Okay, dann machen wir das Klassische. Einen doppelten Espresso? Oder lieber einen Flat White?
Markus: Einen Flat White, bitte. Aber mit einem doppelten Shot. Ich muss für das Meeting fit sein.
Lena: Alles klar, kommt sofort. Doppelter Flat White. Möchtest du vielleicht noch was dazu essen?
Markus: Hm, was hast du denn da?
Lena: Wir haben ganz frische Franzbrötchen. Die sind noch warm. Oder, wenn du eher was Herzhaftes willst: Ich habe Sauerteig-Sandwiches gemacht. Mit Bergkäse aus der Region.
Markus: Der Bergkäse klingt gut... Aber ich glaube, ich brauche Zucker. Ein bisschen Nervennahrung für das Konzept-Meeting.
Lena: Dann ist das Franzbrötchen genau richtig. Viel Zimt, viel Zucker. Das gibt dir den "Energy Boost".
Markus: Perfekt. Ich nehme eins. Danke, Lena.
Lena: Sag mal, Markus... du kommst aus Potsdam, oder? Das ist ja schon ein Stück Weg jeden Morgen.
Markus: Ja, schon. Aber ich mag die Fahrt eigentlich. Besonders morgens.
Lena: Wirklich? Ich wohne ja hier in Berlin, ich fahre nur Fahrrad. Aber jeden Tag Zug fahren... nervt das nicht?
Markus: Eigentlich nicht. Wenn ich den Regionalzug nehme, fahre ich ja durch den Wald. Zwischen Potsdam und Wannsee... da ist es so ruhig. Man sieht die Bäume, manchmal sogar ein bisschen Nebel über den Feldern. Das ist mein Moment zum Nachdenken.
Lena: Das klingt schön. Fast meditativ.
Markus: Ja, genau. Und wie ist dein Morgen so? Du musst ja extrem früh hier sein, um den Laden aufzumachen.
Lena: Oh ja. Mein Wecker klingelt um halb sechs. Jeden Tag.
Markus: Halb sechs? Puh. Das ist hart.
Lena: Viele denken das. Aber ich liebe es. Wirklich! Wenn ich um sechs Uhr mit dem Rad durch Mitte fahre... die Stadt ist dann noch ganz leer.
Markus: Keine Touristen?
Lena: Genau! Keine Touristengruppen vor dem Fernsehturm, keine Autos, kein Lärm. Die Luft ist frisch. Berlin gehört dann mir ganz allein. Das ist die beste Zeit des Tages.
Markus: Das kann ich verstehen. Die Ruhe vor dem Sturm.
Lena: Meistens ist es ruhig. Aber nicht immer. Letzte Woche... oh Gott, das war peinlich.
Markus: Was ist passiert?
Lena: Ich war am Abend vorher etwas länger unterwegs. Nur ein bisschen. Aber ich habe vergessen, meinen Wecker zu stellen.
Markus: Oh nein. Der Klassiker.
Lena: Ich bin aufgewacht, habe auf die Uhr geschaut... und hatte einen halben Herzinfarkt. Ich war viel zu spät! Ich bin aus dem Bett gesprungen, habe irgendwas angezogen und bin wie verrückt zum Laden geradelt.
Markus: Und? Hast du es geschafft?
Lena: Ich kam zwanzig Minuten zu spät an. Meine Haare waren total chaotisch. Und das Schlimmste: Ich hatte mein T-Shirt falsch herum an. Das Innere war außen.
Markus: Nein! Wirklich?
Lena: Ja! Und weißt du, wer schon vor der Tür gewartet hat? Mein erster Stammgast. Der kommt jeden Tag punktgenau.
Markus: Oh je. Was hat er gesagt?
Lena: Er hat mich nur ganz trocken angesehen, auf mein T-Shirt geschaut und gefragt: "Na, Lena? Hast du dich endlich dazu entschieden, auch am Arbeitsleben teilzunehmen?"
Markus: Der Berliner Humor. Hart aber herzlich.
Lena: Ja, genau. Ich habe ihm dann den Kaffee umsonst gegeben. Als Entschuldigung. Aber das T-Shirt habe ich erst eine Stunde später bemerkt!
Markus: Das passiert den Besten. Glaub mir. Ich hatte neulich auch so einen Morgen im Restaurant.
Lena: Eine Katastrophe? Erzähl mal!
Markus: Es war Freitagabend. Das Restaurant war voll reserviert. Wir haben auf die Fleischlieferung gewartet. Das Wildfleisch aus Brandenburg.
Lena: Und?
Markus: Die Lieferung kam nicht. Einfach "lost in transit". Verschollen! Der Lieferant ging nicht ans Telefon. Und wir hatten kein Fleisch für das Hauptgericht.
Lena: Oh Gott. Was hast du gemacht?
Markus: Ich musste handeln. Ich bin in mein Auto gesprungen und zur Metro gefahren. Zum Großmarkt.
Lena: Mitten im Service?
Markus: Ja! Ich hatte schon meine gute Kleidung an, weißt du? Mein Hemd, die gute Hose für den Service. Und dann stehe ich da im Kühlhaus bei der Metro und schleppe fünfzig Kilo Fleisch.
Lena: In deinem schicken Outfit?
Markus: Ja. Ich habe geschwitzt, ich war gestresst... Ich habe die Kisten in meinen Kofferraum geworfen und bin zurück gerast. Ich kam fünf Minuten bevor die ersten Gäste bestellt haben wieder an.
Lena: Wahnsinn. Das ist Einsatz.
Markus: Das ist Gastronomie, Lena. Manchmal muss man improvisieren. Aber das Fleisch war top. Niemand hat etwas gemerkt.
Lena: Respekt. Hier ist übrigens dein Flat White. Und das Franzbrötchen.
Markus: Danke dir. Das sieht super aus. Der Milchschaum ist perfekt.
Lena: Danke! Ich habe die Maschine heute Morgen auch extra neu eingestellt.
Markus: Echt? Machst du das jeden Tag?
Lena: Ja, jeden Morgen. Das ist wichtig. Die Luftfeuchtigkeit ändert sich ja, und die Temperatur. Das beeinflusst die Bohnen.
Markus: Das wusste ich gar nicht.
Lena: Doch, doch. Wenn es draußen wärmer wird, wie heute, muss ich den Mahlgrad anpassen. Sonst läuft der Espresso zu schnell oder zu langsam durch. Ich probiere jeden Morgen den ersten Espresso selbst, um sicher zu sein, dass die Balance stimmt.
Markus: Das ist ja eine richtige Wissenschaft bei dir. Aber ich finde das gut. Qualität ist alles.
Lena: Wie ist das bei euch im Restaurant? Ihr achtet doch auch sehr auf Qualität, oder?
Markus: Absolut. Unser Fokus ist ja "Brandenburger Regionalität". Wir versuchen, wirklich alles aus der Umgebung zu bekommen.
Lena: Was gibt's denn im Moment Besonderes?
Markus: Jetzt geht bald die Spargelzeit los. Wir bekommen unseren Spargel direkt aus Beelitz. Du weißt ja, Beelitzer Spargel ist der beste.
Lena: Oh ja. Den liebe ich.
Markus: Und wir haben einen Jäger in der Uckermark. Der liefert uns ganz frisches Wild. Reh und Wildschwein. Das schmeckt ganz anders als das Fleisch aus dem Supermarkt. Viel intensiver.
Lena: Boah, Markus. Jetzt bekomme ich Hunger. Und ich hatte nur ein Croissant heute Morgen.
Markus: Dann musst du uns mal besuchen kommen! Wirklich, Lena. Komm doch mal für ein richtiges Abendessen vorbei. Du nimmst den RE1, steigst in Potsdam aus, und ich lade dich ein.
Lena: Das ist ein tolles Angebot! Das mache ich wirklich gerne mal. Vielleicht an einem Sonntag? Da habe ich meistens frei.
Markus: Sonntag passt super. Was machst du denn sonst so an deinen freien Tagen?
Lena: Hm, also Sonntags versuche ich, rauszukommen. Ich fahre oft mit dem Rad in den Grunewald. Einfach ein bisschen Natur, weißt du? Oder ich gehe in eine Galerie. Letzte Woche war ich in Kreuzberg in einer kleinen Ausstellung.
Markus: Klingt entspannt. Du kannst gut abschalten, oder?
Lena: Ja, das muss sein. Der Job hier ist toll, aber auch anstrengend. Man steht den ganzen Tag, redet viel... Am Sonntag brauche ich dann einfach Ruhe oder Kunst. Und du? Was machst du, wenn du nicht im Restaurant bist?
Markus: Tja. Mein "Hobby" ist leider auch meine Arbeit.
Lena: Was heißt das denn? Arbeitest du auch am Sonntag?
Markus: Oft ja. Aber selbst wenn ich frei habe... ich fahre gerne zum Großmarkt.
Lena: Freiwillig? Zum Großmarkt?
Markus: Ja! Aber ganz früh. Um vier Uhr morgens.
Lena: Vier Uhr? Markus, du bist verrückt.
Markus: Vielleicht ein bisschen. Aber du musst dir das mal vorstellen. Die Hallen sind riesig. Überall ist frisches Gemüse, Fisch, Fleisch... Die Händler rufen sich Preise zu. Es ist laut, es ist chaotisch, aber es ist auch... lebendig. Ich liebe es, die besten Produkte auszusuchen, bevor alle anderen da sind.
Lena: Du bist wirklich mit Herz und Seele Restaurateur, was?
Markus: Ich glaube schon. Es geht halt um die Zutaten. Wenn ich eine perfekte Kiste Tomaten finde oder tolle Pilze... das macht mich glücklich.
Lena: Das verstehe ich. So geht es mir mit den Kaffeebohnen. Wenn eine neue Lieferung kommt und ich die Tüte aufmache... dieser Geruch! Das ist unbezahlbar.
Markus: Siehst du? Wir sind gar nicht so verschieden. Wir sind beide ein bisschen verrückt nach guten Produkten.
Lena: Stimmt. Wir sind "Genuss-Nerds".
Markus: "Genuss-Nerds". Das gefällt mir. Das schreibe ich mir auf für das Meeting gleich.
Lena: Apropos Meeting. Musst du nicht langsam los?
Markus: Oh! Tatsächlich. Die Zeit vergeht so schnell, wenn man quatscht.
Lena: Dein Flat White ist ja auch schon leer. War er okay?
Markus: Er war perfekt, Lena. Wie immer. Genau das, was ich gebraucht habe. Jetzt fühle ich mich bereit für die Diskussionen über die Sommerkarte.
Lena: Das schaffst du locker. Mit dem Koffein im Blut und dem Zucker vom Franzbrötchen kann gar nichts schiefgehen.
Markus: Dein Wort in Gottes Ohr. Also, ich muss los zur Torstraße.
Lena: Viel Erfolg beim Meeting! Und denk an das Angebot mit dem Abendessen. Ich komme darauf zurück!
Markus: Mach das unbedingt! Sag einfach Bescheid. Schönen Tag dir noch, Lena!
Lena: Dir auch, Markus! Bis bald! Und genieß die Sonne noch ein bisschen!
Markus: Mach ich. Tschüss!

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